Fokus Risikogruppe: Folsäuredosierung gezielt beraten

Bestimmte Lebensphasen – beispielsweise die, welche von Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit geprägt sind – führen zu einem erhöhten Folatbedarf, der über die Ernährung kaum zu decken ist. Bestimmte Erkrankungen und Lebensumstände können das Risiko für einen Folatmangel zusätzlich erhöhen. Eine ärztliche Beratung zu einer Folsäure-Supplementation ist bei Kinderwunsch und Schwangerschaft von grundlegender Wichtigkeit. Bei Risikogruppen ist sie sogar unerlässlich, um die Dosierung individuell anzupassen.

Empfehlungen zur Folsäure-Supplementation

Die Handlungsempfehlung für die Einnahme von Folsäurepräparaten ist in Standardfällen eindeutig. Frauen mit Kinderwunsch oder potenzieller Schwangerschaft sollten täglich 400 Mikrogramm (µg) Folsäure supplementieren, mindestens vier Wochen vor der Konzeption und bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche. Die Einnahme sollte zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung erfolgen – als Schutzmaßnahme für Mutter und Kind.1,2 Das Gespräch mit den Patientinnen sowie die Messung des Folsäurespiegels im Serum oder in den Erythrozyten können darüber hinaus einen Anhalt für die optimale Dosierung der Folsäure liefern.3

Erhöhter Folsäurebedarf bei Erkrankungen und in der Schwangerschaft

Die empfohlene Dosis der täglichen Folsäure-Supplementation ist für die Mehrheit der gesunden Frauen im gebärfähigen Alter ausreichend, um die präventiven Effekte zu entfalten. Bei bestimmten Erkrankungen kann jedoch eine Anpassung der Dosierung in der Schwangerschaft angezeigt sein, da diese einen Folatmangel hervorrufen können. Dazu gehören:

  • Hämolytische Anämie4
  • Erythrodermie4
  • Malabsorptionssyndrome, zum Beispiel Zöliakie, Sprue, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa5
  • Angeborene Stoffwechselerkrankung (Homocystinurie) im Zusammenhang mit Mutationen im MTHFR-Gen5,6

Folatmangel durch bestimme Lebensumstände

Zudem können Ernährungsgewohnheiten oder Risikofaktoren, wie die dauerhafte Einnahme bestimmter Medikamente, zu einem niedrigen Folatspiegel führen und ebenfalls eine Anpassung der Folsäuredosierung erforderlich machen. Beispiele dafür sind:

  • Malnutrition, wie bei Alkoholmissbrauch4
  • Ernährungsfehler oder Unterernährung5
  • Rauchen7,8
  • Gleichzeitig bestehender Vitamin-B12-Mangel4
  • Einnahme von Folsäure-Antagonisten, wie Sulfonamide oder Methotrexat4
  • Längerfristige Einnahme von Antiepileptika5
  • Einnahme hormoneller Kontrazeptiva9

Höhere Dosierung bei Wiederholungsrisiko eines Neuralrohrdefekts oder bei verspätetem Beginn

Bei Müttern, die bereits ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt geboren haben, besteht ein Wiederholungsrisiko für diese Fehlbildung beim folgenden Kind. Diese Frauen sollten sich bei erneutem Kinderwunsch entsprechend frühzeitig ärztlich beraten lassen und ein hochdosiertes Folsäurepräparat einnehmen.9

Ähnliches gilt für Frauen, bei denen die Einnahme eines Folsäurepräparats erst kurz vor oder mit dem Schwangerschaftsbeginn möglich ist. In solchen Fällen ist eine tägliche Anfangsdosierung von 800 µg Folsäure ratsam.9

Beratung & Praxis

Frauen mit Kinderwunsch ist oftmals die wichtige Rolle der Folsäure nicht bewusst: Sie wissen nicht, dass ein Folatmangel in der frühen Schwangerschaft das Risiko für Fehlbildungen erhöhen kann und dieses Risiko durch eine ausreichende Folsäurezufuhr deutlich reduziert werden kann.

Quellen: