Praxisnahe Beratungshilfen für Gynäkologen und Gynäkologinnen

Frauen mit Kinderwunsch ist oftmals die wichtige Rolle der Folsäure nicht bewusst: Sie wissen nicht, dass ein Folatmangel in der frühen Schwangerschaft das Risiko für Fehlbildungen erhöhen kann und dieses Risiko durch eine ausreichende Folsäurezufuhr deutlich reduziert werden kann. Eine frühzeitige Aufklärung in der gynäkologischen Praxis ist daher elementar. Denn sie kann helfen, mögliche Bedenken auszuräumen und leistet auf diese Weise eine wichtige Präventionsarbeit.

Wissenslücken begegnen - Folsäure in der Schwangerschaft

Vielen Frauen ist der konkrete Zusammenhang zwischen einer frühzeitigen Folsäure-Supplementation und der Risikoreduktion für angeborene Fehlbildungen wie Neuralrohrdefekte (NRD) nicht bekannt, wie eine repräsentative Umfrage des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit ergab.1 Besonders bei Frauen mit Kinderwunsch oder unsicherem Verhütungsverhalten ist ein gezielter Hinweis ratsam, dass die Einnahme von Folsäure vor der Empfängnis das Risiko fetaler Fehlbildungen verringern kann.

Frühzeitige Aufklärung vor der Schwangerschaft

Genau hier beginnt Ihre Rolle als Gynäkologe oder Gynäkologin – Sie sind die wichtigste Anlaufstelle für Ihre Patientinnen. Ein frühzeitiges Gespräch kann weitreichende präventive Wirkung entfalten.1 Verdeutlichen Sie: Das Neuralrohr des Babys schließt sich in der Regel bereits, bevor der Schwangerschaftstest positiv ausfällt – und gibt damit den Zeitrahmen für präventives Handeln vor.2

In der Beratung empfiehlt es sich, mit klaren Formulierungen zu arbeiten, ohne medizinische Tiefe vermissen zu lassen. Etwa: „Wenn Sie einen Kinderwunsch haben – oder ihn nicht ausschließen – starten Sie jetzt mit Folsäure. Denn Ihr Körper muss sich vorbereiten, bevor das Baby überhaupt entsteht. So können Sie das Risiko für bestimmte angeborene Fehlbildungen deutlich senken.“

Ausgewogene Ernährung reicht für Folatbedarf nicht aus

Ein häufiger Einwand wie „Ich ernähre mich doch gesund“ ist genauer zu betrachten. Um die Referenzwerte für Stillende und Schwangere in Höhe von 450 Mikrogramm (µg) beziehungsweise 550 µg Folsäure pro Tag zu erreichen, ist jeden Tag eine strikte Auswahl von Lebensmitteln mit einem hohen Folatgehalt, etwa zahlreiche Gemüsesorten und Eier, erforderlich.3 Dabei tritt jedoch ein grundlegendes Ernährungsproblem zutage: Rund 59 % der Befragten der Nationalen Verzehrsstudie II erreichen nicht die empfohlene Tagesmenge von 250 Gramm (g) Obst. Noch gravierender ist die Situation bei Gemüse – über 87 % der Bevölkerung unterschreiten die empfohlene Menge von 400 g pro Tag, wie sie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen wird.4,5

Diese unzureichende Zufuhr pflanzlicher Lebensmittel wirkt sich direkt negativ auf die Folatversorgung aus. Hinzu kommt, dass Folat äußerst empfindlich auf Hitze, Licht und Sauerstoff reagiert – ein erheblicher Teil des Vitamins kann bereits durch Lagerung und Zubereitung verloren gehen.6 Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die tägliche Folataufnahme bei mehr als der Hälfte der Frauen in Deutschland unterhalb der D-A-CH-Referenzwerte für Folat liegt.4 Diese Unterversorgung lässt sich durch eine Supplementation ausgleichen.

Bei Folsäurepräparaten richtige Dosierung abklären

Beim Thema „Ich nehme bereits Vitamine“ ist es wichtig, auf die Folsäuremengen des Vitaminpräparats zu schauen. Denn nicht jedes Vitaminpräparat liefert vor der Konzeption und während der Schwangerschaft eine ausreichende Menge an Folsäure.

Manche Frauen fragen sich, ob eine Überdosierung möglich ist. Diesbezüglich können Sie klarstellen, dass bei einer richtigen Einnahme empfohlener Folsäure-Supplemente keine zu hohe Zufuhr gegeben ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die für Frauen vor und in der Schwangerschaft empfohlene Dosis von 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag sicher.7 Die tolerierbare Gesamtzufuhrmenge ist durch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegt – und liegt mit 1.000 µg Folsäure deutlich über den Werten, die Frauen mit Kinderwunsch und Schwangeren empfohlen werden.8,9

Risikogruppen

Bestimmte Lebensphasen – beispielsweise die, welche von Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit geprägt sind – führen zu einem erhöhten Folatbedarf, der über die Ernährung kaum zu decken ist. Bestimmte Erkrankungen und Lebensumstände können das Risiko für einen Folatmangel zusätzlich erhöhen. Eine ärztliche Beratung zu einer Folsäure-Supplementation ist bei Kinderwunsch und Schwangerschaft von grundlegender Wichtigkeit. Bei Risikogruppen ist sie sogar unerlässlich, um die Dosierung individuell anzupassen

Quellen: