Die aktuelle Studienlage untermauert die präventive Wirkung einer Folsäure-Supplementation in der Schwangerschaftsvorsorge. Die eindeutigen Ergebnisse führen zu identischen Empfehlungen der Einnahmekonzentrationen bei den Fachgesellschaften bereits vor der Konzeption.
Die präventive Wirkung und Supplementation von Folsäure ist eine sehr gut belegte Maßnahme in der Schwangerschaftsvorsorge. Zahlreiche Metaanalysen und Fall-Kontroll-Studien bestätigen: Eine perikonzeptionelle und pränatale Supplementation kann das Risiko für Fehlbildungen wie Neuralrohrdefekte (NRD) stark senken.
Die geschätzte durchschnittliche weltweite Prävalenz von NRD liegt bei zwei Fällen pro 1.000 Geburten, was etwa 214.000–322.000 betroffenen Schwangerschaften pro Jahr entspricht.1 Europaweit liegt die Prävalenz bei rund 1 Fall pro 1.000 Geburten (2005–2022).2 Das einzige Fehlbildungsmonitoring Deutschlands in Sachsen-Anhalt ergibt für den Zeitraum 1995–2023 eine durchschnittliche Basisprävalenz von 0,95 auf 1.000 Geburten (Lebend- und Totgeborene) für NRD mit insgesamt gleichbleibender Tendenz.3 Die gleichbleibenden Fallzahlen über die Jahre hinweg zeigen: Die perikonzeptionelle Einnahme von Folsäure scheint nach wie vor noch nicht so zu funktionieren, wie es gewünscht ist.
Besonders gut belegt ist die Risikoreduktion durch eine Folsäure-Supplementation auf folgende Bereiche:1,4-7
Einem Review zufolge könnten 50 % der NRD durch eine folatreiche Ernährung und die zusätzliche perikonzeptionelle und pränatale Einnahme von Folsäure vermieden werden.4,6 Untersuchungen zeigen zudem eine Risikoreduktion angeborener Herzfehler von bis zu 18 % bei frühzeitiger Folsäureeinnahme gegenüber Frauen ohne Supplementation.7
Es gibt auch Hinweise darauf, dass die zusätzliche Folsäurezufuhr das Risiko für andere kindliche Fehlbildungen, insbesondere Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, verringern könnte.5 Die Einnahme von Folsäure vor und während der Schwangerschaft verringert außerdem das Risiko für Frühgeburten, für niedriges Geburtsgewicht und Gesundheitsprobleme, die mit Kindersterblichkeit und Morbidität in Verbindung stehen.6
Diese Erkenntnisse haben Einzug in alle Handlungsempfehlungen wichtiger Fachgesellschaften gefunden. Die D-A-CH-Gesellschaften (Zusammenschluss der Deutschen Gesellschaft für Ernährung [DGE] sowie der österreichischen und schweizerischen Gesellschaft), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sowie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen übereinstimmend:5,8,9
Wenn die Supplementation erst kurz vor oder sogar nach der Konzeption beginnt, sollten 800 µg Folsäure/Tag zugeführt werden.8 Des Weiteren gibt es Risikogruppen für einen Folatmangel, die bei der Dosierung der Folsäure-Supplementation dringend beachtet werden müssen.
Der Wert von 400 µg Folsäure bei Frauen mit Kinderwunsch wird auch bei der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bei der Ermittlung der sicheren oberen Zufuhrgrenze (Upper Intake Level (UL)) für Folsäure beziehungsweise Folat berücksichtigt. Die EFSA gibt als UL 1.000 µg Folsäure täglich bei Erwachsenen, Schwangeren und Stillenden an.10 Studien geben keine Hinweise darauf, dass eine Folsäure-Supplementation mit einem erhöhten Risiko für Mehrlingsschwangerschaften, Autismus oder Krebserkrankung der Mutter verbunden ist.11
Mehr als die Hälfte der deutschen Frauen im gebärfähigen Alter nimmt nicht genügend Folat über die Nahrung auf, um einen optimalen Serum- oder Erythrozyten-Folat-Spiegel (>18 beziehungsweise 1.000 Nanomol/Liter (nmol/l)) zu erreichen, der zur Vorbeugung von Spina bifida und Anenzephalie erforderlich ist.6
Laut einer repräsentativen Umfrage des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov gaben vier von fünf der befragten Frauen (82 %) zwischen 16 und 45 Jahren an, von der Bedeutung der Folsäure in der Schwangerschaft gehört zu haben. Doch nur jede zweite Frau (53 %) kennt den konkreten Zusammenhang einer Folsäure-Supplementation und der Risikosenkung für angeborene Fehlbildungen wie NRD.12
Des Weiteren zeigt die Umfrage: Gynäkologen und Gynäkologinnen sind die wichtigsten Akteure hinsichtlich der Prävention von NRD und weiterer Fehlbildungen. 38 % der befragten Frauen haben in der gynäkologischen Praxis von der Bedeutung der Folsäure erfahren. Bei Frauen mit Kind waren es sogar 71 %. Auch wenn das persönliche Umfeld eine Rolle spielt: Für 27 % der Frauen war die erste Informationsquelle – der gynäkologische Kontext – entscheidend.12
Eine Supplementation von Folsäure in der richtigen Dosierung hilft, einem Folatmangel in der sensiblen Phase vor und während der Schwangerschaft vorzubeugen. Eine folatreiche Ernährung mit entsprechenden Lebensmitteln unterstützt zusätzlich den erhöhten Bedarf.