Folatversorgung optimieren mit gezielter Ernährung

Eine Supplementation von Folsäure in der richtigen Dosierung hilft, einem Folatmangel in der sensiblen Phase vor und während der Schwangerschaft vorzubeugen. Eine folatreiche Ernährung mit entsprechenden Lebensmitteln unterstützt zusätzlich den erhöhten Bedarf.

Folsäure zusätzlich supplementieren

Folsäurepräparate sind rezeptfrei erhältlich, meist in Form von Tabletten. Weitere Anwendungsformen sind Tropfen, Mundsprays oder Pulversticks. Wichtig ist eine klare und verständliche Dosierung für die einzelnen Zielgruppen und Lebensphasen – jeweils nach den aktuellen wissenschaftlich abgesicherten Dosierungsempfehlungen.

Für Frauen mit Kinderwunsch, spätestens vier Wochen vor der Konzeption, gilt eine tägliche Folsäurezufuhr von 400 Mikrogramm (µg).1 Wenn die Supplementation erst kurz vor oder sogar nach der Konzeption beginnt, sollten 800 µg Folsäure/Tag supplementiert werden.1 Die Folat-Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegen für Schwangere bei 550 µg Folat-Äquivalent und für Stillende bei 450 µg Folat-Äquivalent täglich.2

Folate in der Nahrung

Neben der Folsäure-Supplementation gilt eine folatreiche und ausgewogene Ernährung vor und während der Schwangerschaft weiterhin als Basis. Folatreiche Lebensmittel sind beispielsweise:2,3,4

  • Grünes Gemüse (wie Spinat, Feldsalat, Brokkoli)
  • Hülsenfrüchte
  • Tomaten
  • Kartoffeln
  • Vollkorngetreideprodukte und Weizenkeime
  • Hefe
  • Nüsse (Erdnüsse, Haselnüsse, Walnüsse)
  • Zitrusfrüchte und daraus gewonnene Säfte
  • Eier (in der Schwangerschaft nur durchgegart verzehren)
  • Milch- und Milchprodukte (in der Schwangerschaft nur pasteurisierte Milchprodukte verzehren)

Zudem wird in Deutschland einigen tendenziell ungesunden Lebensmitteln − zum Beispiel Frühstückscerealien, Fruchtsaftgetränken, Margarine, Brotbackmischungen und Milchprodukten sowie teilweise auch mit Jod und Fluorid angereichertem Speisesalz − zusätzlich Folsäure hinzugefügt.3,5

Beispiel für einen Ernährungsplan

Die nachfolgende Aufstellung an Lebensmitteln gibt an, mit welchen Mengen eine tägliche Zufuhr von etwa 550 µg Folat (die für Schwangere empfohlene Tageszufuhr) erreichbar ist. Dabei handelt es sich nicht um einen vollständigen Tagesplan. Eine mögliche Aufstellung wäre zum Beispiel (in Klammern jeweils der Folatgehalt pro Portion in µg):6

  • 135 g Banane (19 µg)
  • 90 g Kiwi (18 µg)
  • 60 g Mango (22 µg)
  • 150 g Grünkohl (tiefgefroren, gekocht) (96 µg)
  • 200 g Kartoffeln (geschält, gekocht) (16 µg)
  • 100 g Feldsalat (145 µg)
  • 150 g Gemüsepaprika (rot, roh) (83 µg)
  • 60 g (2 Scheiben) Vollkorntoastbrot (35 µg)
  • 60 g Ei, gekocht (35 µg)
  • 90 g (3 gehäufte Esslöffel) Kräuterquark (aus pasteurisierter Milch) (34 µg)
  • 30 g Erdnüsse (51 µg)

Zubereitungstipps für folatreiche Lebensmittel

Neben der Auswahl der Lebensmittel spielt auch die Zubereitung des Essens eine wichtige Rolle. Denn Folat ist hitze- und lichtempfindlich. Das schonende Garen in wenig Wasser (dünsten und dämpfen statt kochen) und der Mitverzehr beziehungsweise die Weiterverwendung des Kochwassers kann helfen, den Verlust des wasserlöslichen Vitamins zu verringern. Auch eine lange Lagerung ist zu vermeiden. Besser ist es, Obst und Gemüse frisch zu kaufen oder zu ernten und bald zu verzehren – wenn möglich in roher Form, wenn es das Produkt zulässt.4,7

In der täglichen Praxis empfiehlt es sich, Patientinnen zusätzlich schriftliche Hinweise mitzugeben – beispielsweise als Teil der Vorsorgebroschüre oder als digitale Info auf einer Website.

Kombination mit Jod und Vitamin B12 je nach Ernährungsstil

Jod ist für die Aufrechterhaltung vieler Körperfunktionen essenziell und muss über die Nahrung zugeführt werden. Der Nährstoff wird von der Schilddrüse zur Herstellung von Schilddrüsenhormonen benötigt und ist in dieser Funktion auch an der normalen Entwicklung hinsichtlich des Wachstums, der Organentwicklung, des Nervensystems, der Kreislauforgane und der Muskulatur des Kindes (auch schon vor der Geburt) beteiligt. In der Schwangerschaft besteht ein erhöhter Bedarf an dem essenziellen Spurenelement.3 Auch für Jod wird eine deutlich erhöhte Zufuhr bereits vor beziehungsweise ab Beginn der Schwangerschaft empfohlen. Vor der Empfehlung einer Jodsupplementierung sollte zunächst eine Jodanamnese erfolgen, um eine Überschreitung der als gesundheitlich unbedenklich eingestuften Tageshöchstmenge von 500 µg Jod zu vermeiden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt Schwangeren daher nur noch ein Supplement mit 100 (bis 150) μg Jod, abhängig vom Ergebnis der Jodanamnese, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung.1

Grundsätzlich sollte vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ärztlicher Rat eingeholt und der aktuelle Mikronährstoffstatus erhoben werden. Bei einer vegetarischen Ernährung, besonders über einen längeren Zeitraum vor der Schwangerschaft, zählen Eisen, Vitamin B12, die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) und gegebenenfalls Zink zu den kritischen Nährstoffen. Bei Veganerinnen ist zu überprüfen, ob neben Folsäure und Jod zusätzlich Vitamin B12, DHA, Zink, Protein, Eisen und Calcium supplementiert werden sollten.1

Hintergrundwissen & Evidenz

Die aktuelle Studienlage untermauert die präventive Wirkung einer Folsäure-Supplementation in der Schwangerschaftsvorsorge. Die eindeutigen Ergebnisse führen zu identischen Empfehlungen der Einnahmekonzentrationen bei den Fachgesellschaften bereits vor der Konzeption.

Quellen: